Zielsetzung

Hauptaufgabe des Jaundeutschen Wörterbuchs ist es, alle Wörter (Artikel) und deren Varianten getreu zu verzeichnen, welche die Sprecherinnen und Sprecher der Mundart verwenden. Keinesfalls geht es darum, aus den in der ausgewerteten Literatur und den von Gewährspersonen bezeugten Varianten jene auszuwählen, welche der Autor als die richtigen ansieht, und die anderen wegzulassen. Dies wäre ein krasser Widerspruch zum Wesen eines Dialektwörterbuchs. Es muss angeben, wer ein bestimmtes Wort benutzt, aber auch wo und wann. Ferner soll es Angaben über die Geschichte und die Herkunft (Etymologie) der Wörter enthalten.

Dieses Wörterbuch richtet sich in erster Linie an sprachinteressierte Laien, die sich vor allem für die seltenen und alten, aber auch die heute gebräuchlichen Wörter und ihre Bedeutung interessieren. Dabei sollen die Aussprache-Unterschiede zwischen den Generationen nicht vergessen werden. Die Schreibweise der Wörter steht dabei nicht im Vordergrund, es soll viel mehr ein Lesebuch mit Unterhaltungswert sein. Zu diesem Zweck werden möglichst viele Redewendungen und Redensarten aufgeführt. Damit soll die Vielfalt und die Lebendigkeit aufgezeigt werden.

Beispiele

 

chätzere (gchätzeret): Œ a) etw. beanstanden; är hät gìng epppes ds chätzere (WS); b) schlecht über jdn. od. etw. reden (RB, JM); ìtz hüeret doch uuf chätzere ùber onder Lüt (RB); was hì sì geschter a der Gmìisversommlung umhì gchäzeret? (JM); SYN chäre

brǜǜschele (-t): Œ ➊ brandig riechen (St); SYN schmǜrzele  ➋ leicht köcheln (in der Pfanne) (FS); D Sùppa brǜǜschelet (FS) Ž ➌ schmorend verbrennen (in Form von glimmender Glut) (SB): as brǜǜschelet no (SB) [Id. 5, 744/5]

Att (m, Attenì; Dekl.: Tratt `der Vater`, ds Atte `des Vaters`,im Atte `dem Vater`, Atte `Vater als Anrede`) (Bü): Vater. ñ Tratt, Pappa; ZSS: Gruos- [auch Attì • veralt. • ahd attot Id 1, 583]

nǜsche (g-t): Œ ➊ binden (von Schuhen); D Schue nǜsche ➋ zuknöpfen (z.B. von Strickjacke); Zs Schagettlì nǜsche [mhd nüschen `zusammenbinden` • Id 4, 835]